Mein persönliches #Unplugbigtech

2026-10-23 12:17

Autor: Markus Henkel

Warum ich meine digitale Abhängigkeit weiter reduziere...

Erinnert ihr euch an die Szene im State Dining Room des Weißen Hauses? Am 4. September 2025 lud Donald Trump 33 Führungskräfte aus dem Silicon Valley zum Dinner, darunter Tim Cook (Apple), Satya Nadella (Microsoft), Sam Altman (OpenAI), Sundar Pichai (Google / Alphabet) und Mark Zuckerberg (Meta), der direkt neben Trump Platz nehmen durfte. Der Anlass waren Investitionszusagen. Zuckerberg nannte beispielsweise 600 Milliarden Dollar, Cook bot dieselbe Summe, Pichai immerhin noch 250 Milliarden. Und als ob das nicht reichte, folgte am 29. September 2026 ein zweites Treffen: Der »crazy dude in orange« empfing erneut Big Tech zu einem Stelldichein. Dieses Mal waren auch Nvidia-Chef Jensen Huang, Elon Musk (X) und Anthropic-Chef Dario Amodei dabei. Die milliardenschwere Runde unterzeichnete ein kurzgehaltenes Papier namens »White House Accord on Super Intelligence«, welches allerdings rechtlich nicht bindend ist und lediglich auf freiwilligen Selbstverpflichtungen beruht. Damit saßen nun auch X, Nvidia und Anthropic mit am Tisch. Alles Big-Player in Technologie, Militär und Weltpolitik.

Persönliche Einordnung

Und auch wenn mein Setup, meine digitale Souveränität schon weitgehend fortgeschritten war: Diese beiden Events waren der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Schon seit Jahren befinde ich mich in einem Prozess der digitalen Souveränität. Neben großen digitalen US-Services nahm ich nun auch meine Gerätschaften wie etwa das Smartphone unter die Lupe. Im Folgenden habe ich den aktuellen Ist-Zustand mal in Worte gefasst.

Aber nochmal zurück zu den beiden Events. Was mich dabei verstörte, waren nicht die versprochenen Summen, vielmehr machte mich die am Tisch gewählte Tonart einzelner Gäste stutzig. Trump hatte seinen faschistischen Apparat bereits angewiesen, das System nach seinem Wohlbefinden umzukrempeln. Wer solche Politik unterstützt, billigt und gar noch Profit daraus zieht, ist meines Erachtens verabscheuungswürdig. Axios schrieb dazu, jeder der Anwesenden habe der Reihe nach Lob ausgeschüttet. Sam Altman dankte Trump etwa dafür, ein „pro-business, pro-innovation president" zu sein, und nannte das einen „very refreshing change". Tim Cook bedankte sich dafür, dass der Präsident den Ton gesetzt habe, damit Apple in den USA investieren könne. Das Schleimen ist kein Skandal im juristischen Sinn. Aber es zeigt, wie eng die Unternehmen, denen wir unsere Fotos, Nachrichten, Standortdaten und Gesundheitswerte anvertrauen, mit der jeweiligen Regierung verflochten sind. Und gerade die Trump-Administration zeigt seit Monaten, dass eine solche Verbindung eine grenzenlose Toleranz rund um Rassismus, Gier, Hass und Hetze voraussetzt.

Die aktuelle Erpressbarkeit der EU sowie ein persönlicher Blick in die Glaskugel zeichnen eine katastrophale Zukunft mit Trump, mit den USA als Partner. Zeit, die ach so oft erwähnte digitale Souveränität weiter und vor allem zügiger voranzutreiben. Schritt für Schritt. Eben #Unplugbigtech!

Keine Garantie auf Vollständigkeit :-)

Tschüss Twitter (X), Meta (Facebook, Instagram, WhatsApp), LinkedIn

Schon vor Jahren verabschiedete ich mich von einigen Plattformen. Ich war es leid, ständig präsent zu sein, zu posten, hinter Likes und Kommentaren quasi hinterherzujagen.

  • Meta-Dienste (Facebook, Instagram, WhatsApp): Ich schaffte den Absprung 2017, löschte einfach ohne Ankündigung alle Konten. Bereut habe ich den spontanen Cut nie. Nur per WhatsApp schrieb ich noch an Freunde "Tschüss, ich bin dann mal weg".

  • Twitter / X: Das Netzwerk war bereits toxisch angehaucht. Direkt nach der Übernahme durch Elon Musk im Oktober 2022 schloss ich auch meinen Twitter-Account. Als Ersatz nutze ich das dezentrale Netzwerk Mastodon.

  • LinkedIn: Diese Datenschleuder aus dem Hause Microsoft hatte schon seit Jahren keinen Fokus von mir erhalten. Beruflich bietet es mir, trotz Marketingverantwortung, keinen Mehrwert. Und nachdem ich nach politischen Äußerungen zweimal gesperrt wurde, stellte ich zunächst meine Aktivitäten komplett ein, löschte im Februar 2026 dann den Account.

Meine Alternativen im Überblick

Cloud, Fotos und Backup

  • Ich bin kürzlich aus der Jottacloud in die digitale Wolke von Filen gewechselt. Der deutsche Anbieter glänzt nicht nur mit Servern in Deutschland. Meine Files werden auf dem jeweiligen Gerät mit AES-256-GCM verschlüsselt, bevor sie hochgeladen werden, die Schlüssel dazu leiten sich aus dem Passwort ab und liegen ausschließlich verschlüsselt auf dem Server. Der Vorteil gegenüber iCloud oder Google Drive: Filen kann keine Inhalte lesen, auch nicht auf Anordnung. Ich muss dem Anbieter allerdings auch vertrauen. So gibt es derzeit noch kein unabhängiges Audit; mir ist zumindest keines bekannt.

  • Ente Photos ersetzt bei mir die klassische Foto-Cloud. Warum? Ente ist einer der wenigen Anbieter, der seine Server-Standorte dokumentiert hat. Amsterdam, Frankfurt sowie Paris werden genannt, wo die Daten ausschließlich verschlüsselt vorliegen. Zudem verschlüsselt der Dienst meine Fotos samt Metadaten wie Aufnahmezeit und Standort Ende-zu-Ende. Und ja, ein Audit (Cure53 und Symbolic Software) gibt es auch. Sprich, Ente ist komplett Open Source und lässt sich gar selbst hosten.

  • Unraid-Homeserver: Mein lokaler Server gibt mir zusätzliche Kontrolle und macht mich unabhängiger von Cloud-Anbietern. Ich hoste die proprietäre Software Unraid selbst; dort ist die gesamte Filen- und Ente-Cloud synchronisiert. Quasi mein lokales Backup. Unraid ergänzt also meine Cloud-Dienste, statt sie komplett zu ersetzen.

Alltagswerkzeuge: E-Mail, Notizen und Passwörter usw.

  • Runbox hostet seit Jahren meine E-Mails. Der norwegische Anbieter betreibt eigene Server in Oslo und gibt Daten nur gegen einen norwegischen Gerichtsbeschluss heraus. Der US-CLOUD-Act greift nach Angaben des Anbieters nicht. Ich will aber ehrlicherweise noch erwähnen, dass der Dienst bisher auf eine standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verzichtet. Um meine sensible Kommunikation dennoch zu schützen, nutze ich eM Client (mit OpenPGP) am Desktop und OpenKeychain / Thunderbird auf dem Smartphone.

Antwort von Runbox

Thanks for the question. We are currently working on backend upgrades that will pave the way for E2EE. It's too soon to give an exact timeline, but it's part of our roadmap.

  • addy.io liefert mir dank unterschiedlicher E-Mail-Aliasse die nötige Privatsphäre. So gebe ich meine reale E-Mail-Adresse nicht an jeden Anbieter weiter. Stellt euch den Alias wie ein zusätzliches Namensschild an demselben Briefkasten vor. Ihr seid also unter mehreren Adressen erreichbar, ohne dafür mehrere E-Mail-Konten verwalten zu müssen.

  • Notesnook orchestriert meine digitalen Notizen. Alles wird auf dem Gerät mit XChaCha20-Poly1305 und Argon2 verschlüsselt, auch Notizbuch- und Tag-Namen. Clients und Sync-Server sind Open Source, die Daten liegen in Deutschland. Der Haken: Ein unabhängiges Audit fehlt bisher, und der Anbieter stellt auch kein zeitnahes in Aussicht. Der Funktionsumfang ist allerdings unschlagbar und dank der Funktion Monograph kann ich diesen Artikel ohne eigenes Blog veröffentlichen. Bei Bedarf sogar passwortgeschützt und zeitlich begrenzt. Was allerdings auch erwähnt werden muss: Hinter Notesnook steckt das Unternehmen Streetwriters mit Standort Pakistan. Überdies werden Anhänge nach eigenen Angaben über ein Cloudflare-CDN gemanagt. Da der Dienst verschlüsselt agiert, passt das aber dennoch für mich.

Dazu Notenook:

  • KeePassXC (Desktop) und Keepass2Android verwalten meine Passwörter lokal und verschlüsselt. Es gibt keinen Anbieter-Server, auf dem die Datenbank liegt, und keinen Account. KeePassXC wurde 2023 extern geprüft und hat von der französischen Behörde ANSSI die Sicherheitszertifizierung CSPN erhalten, die allerdings die Version 2.7.9 unter Windows 10 beschreibt. Beide Programme sind zudem Open Source.

  • LibreOffice ist bei mir der gesetzte Ersatz für das mistige Microsoft 365. Es ist quelloffen, braucht weder Konto noch Cloud und nutzt mit dem OpenDocument-Format einen offenen Standard, sodass meine Dokumente nicht an einen Hersteller gebunden sind. Natürlich kann ich auch Office-Dokumente damit öffnen, erstellen und bearbeiten.

  • F-Droid und Aurora Store sind meine App-Quellen. F-Droid bietet quelloffene Apps und kennzeichnet Werbung und Tracking. Wegen Googles geplanter Entwicklerverifizierung ist F-Droid auf Standard-Android-Geräten aber gefährdet; die Kampagne »Keep Android Open« verdient daher eure Unterstützung.

  • Der Aurora Store ist ein quelloffener Client für den Play-Katalog, der den Download ohne eigenes Google-Konto ermöglicht und per Exodus-Privacy-Integration zeigt, welche Tracker in einer App stecken. Der anonyme Anmeldemodus nutzt gemeinsam verwendete Konten statt deines persönlichen Kontos. Wie ich finde, eine hervorragende Idee. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Dienst zwecks Updates standardmäßig eine Liste der installierten Apps an Google sendet.

Kommunikation: Messenger

Durch meinen Verzicht auf Services von Meta (KEIN WhatsApp) nutze ich seit einiger Zeit drei Alternativen, die jeweils einen anderen Schwerpunkt hinsichtlich der Kommunikation einnehmen.

  • Signal ist mein Standard-Messenger. Er ist quelloffen und verschlüsselt standardmäßig Ende-zu-Ende. Signal sammelt zwar nach eigenen Angaben nur minimale Metadaten, der Service ist und bleibt allerdings eine Organisation aus den USA. Positiv zu erwähnen: Als US-Behörden mehrfach Nutzerdaten anforderten, konnte Signal nur zwei Zeitstempel liefern. In der Android-Beta lässt sich Signal mittlerweile auch ohne Telefonnummer registrieren. Dafür fällt eine einmalige Gebühr an, die als zusätzliche Hürde gegen Spam dienen soll. Dennoch solltet ihr dem Messenger grundsätzlich vertrauen, bevor ihr diesen nutzt.

  • Element X (Matrix) ist ein föderiertes Netzwerk, welches auf offene und dezentrale Standards setzt. Jeder kann einen eigenen Server betreiben, und alle Server sprechen dieselbe Sprache. Sogar das Militär setzt auf das Protokoll. Ich persönlich nutze die App Element X als Client und kommuniziere so mit einer sehr kleinen und ausgewählten Personengruppe.

  • Delta Chat nutze ich erst seit einigen Wochen. Die ersten Tests verliefen wirklich positiv. Ich bin mir aber selbst noch unsicher, wofür ich tatsächlich einen dritten Messenger benötige. Der hohe Sicherheitsfaktor spricht allerdings für den Einsatz: Nahezu keine Metadaten, verschlüsselte Nachrichten Ende-zu-Ende. Wichtig, über klassische Mailserver sind auch unverschlüsselte Nachrichten möglich.

  • Sunup liefert Push-Benachrichtigungen ohne Google-Dienste und warnt mich bei Katastrophen. Ist ja heutzutage nicht unwichtig.

Netzwerk

  • Mullvad VPN ist derzeit mein favorisierter VPN-Dienst. Obwohl die Schweden zuletzt auch kritisch beäugt worden sind, habe ich derzeit für meine Anforderungen keine überzeugendere Alternative gefunden. Der Dienst verlangt zur Anmeldung weder Name noch E-Mail noch Passwort. Lediglich eine zufällige Account-Nummer erhält man. Ich habe mir zu Beginn den Spaß erlaubt, die Gebühren mittels postalischer Zustellung abzuwickeln. Das hat einwandfrei funktioniert. Lediglich die Account-Nummer war vermerkt und natürlich die Jahresgebühr im Kuvert. Gut zu wissen: Der Anbieter wirbt mit einer No-Logs-Politik und lässt seine Infrastruktur unabhängig prüfen. Außerdem werden Kreditkartenzahlungen nicht dauerhaft gespeichert; Mullvad löscht Stripe-ID und Uhrzeit nach 20 Tagen.

  • Control D filtert meinen gesamten Internetzugang auf DNS-Ebene. Werbung, Tracker, schädliche Domains und unerwünschte Inhalte werden blockiert, bevor eine Verbindung entsteht. Der Dienst erlaubt mir auch Zugriffe auf bestimmte Dienste gezielt über Proxy-Server umzuleiten. Vergleichbar sind NextDNS oder der selbst betriebene Pi-hole. Da der Dienst aus Kanada stammt, lasse ich die Analytics-Daten in Amsterdam speichern. Diese Einstellung muss allerdings manuell aktiviert werden. Und es gilt: DNS-Filterung ist kein Ersatz für ein VPN.

  • PingTools bietet mir eine umfangreiche Sammlung von Netzwerk-Diagnosewerkzeugen für Android. Damit kannst du beispielsweise die Erreichbarkeit von Servern prüfen, Geräte im lokalen Netzwerk finden und WLAN- oder Verbindungsprobleme untersuchen. Speziell der IP-Scan ist für mich immer wieder hilfreich.

Browser statt App

Da viele Apps das Verhalten ihrer User tracken, verzichte ich bei bestimmten Anbietern auf die App-Installation. Ich nutze stattdessen den Browser. Durch DNS-Filterung und Browser-Erweiterungen am Desktop (Firefox) bin ich recht gut vor Tracking geschützt. Hier ist zwingend der LibreWolf-Browser zu erwähnen. Dieser hat bereits vom Start weg einige Schutzmechanismen aktiviert, etwa den Ad-Blocker uBlock Origin sowie einen aktiven Schutz vor Fingerprinting. Unterwegs bewahrt mich zusätzlich der gehärtete Browser Vanadium (nur GrapheneOS) vor personalisiertem Mitschneiden. So verzichtet er grundsätzlich auf Telemetriedaten, enthält einen integrierten Werbe- und Trackingfilter, setzt auf Site-Isolation / Sandboxing und ja, die JavaScript-JIT-Kompilierung ist standardmäßig deaktiviert (eine mögliche Angriffsfläche wird so stark reduziert). Mit anderen Worten, Sportergebnisse, Bahn, Wetter, Zeit Online, Katapult, Bandcamp und meine Lesezeichen (booky) öffne ich ausschließlich im Browser.

Natürlich passt auch die Google-Search so nicht mehr ins datenschutzgetriebene Bild. Seit einiger Zeit suche ich daher mit MetaGer. Der kostenpflichtige Service beschreibt eine deutsche, auf Datenschutz ausgerichtete Suchmaschine, betrieben vom gemeinnützigen Verein SUMA-EV. Meine Suchanfrage bündelt die Engine zu Ergebnissen verschiedener Suchmaschinen, statt nur einen einzelnen Suchindex zu verwenden. Leider ist auch der Suchindex von Brave mit integriert. Er kann allerdings auch ausgeschlossen werden. MetaGer ist bei mir natürlich auch auf dem Smartphone im Einsatz.

Warum eine App nicht immer die beste Wahl ist, zeigt die Analyse von Kuketz IT-Security: DB Navigator - Datenschutz fällt heute aus.

Sport und Wearables

Meine Apple Watch Ultra 2 war schnell verkauft. Als Ersatz habe ich in der Garmin-Welt eine bessere und datenschutzfreundlichere Lösung gefunden. Garmin speichert Sportdaten zwar auch in der hauseigenen Cloud, duldet aber, im Gegensatz zu Apple, die Nutzung von Fremdsystemen für die Daten-Visualisierung.

Gadgetbridge ist hier der Schlüssel: Die Open-Source-App nutzt die Uhr ohne Herstellerkonto und ohne die proprietäre App, Daten bleiben lokal auf dem Smartphone. Der Kuketz-Blog hat dazu bereits einen gut verständlichen Beitrag veröffentlicht.

Und nein, ganz ohne Garmin klappte es dann doch nicht. Ich bezahle halt gerne mit dem Zeitmesser. Hierfür musste ich die Bankkarte mit der Uhr verknüpfen. Garmin nutz für eine reibungslose und Datenschutz-konforme Abwicklung Token und Kartenreferenzen, wie bei Apple und Google. Eine Ausnahme: Garmin speichert das Wallet nicht in der eigenen Cloud. Auf meinem GrapheneOS läuft nicht einmal ein Wallet. Bei Apple musste ich beispielsweise den Cloud-Transfer der Wallet-Daten manuell deaktivieren.

Musik und Video: besitzen statt mieten

  • Musik ist ein wichtiger Bestandteil meines Alltags. Egal ob privat oder im Office. Ich betreibe seit Jahren einen eigenen Musikserver mit Roon und kaufe meine Musik, zum Beispiel bei Bandcamp. Gekaufte Dateien gehören mir dauerhaft, sie verschwinden nicht, wenn sich etwas innerhalb des Streaming-Katalogs ändert. Auch Tidal nutze ich noch gelegentlich über die Integration in Roon. Datenschutzfrei ist das allerdings nicht. Tidal erhält Informationen darüber, welche Tidal-Titel ich abspiele. Den Schwerpunkt bildet deshalb meine eigene Musiksammlung. Die Roon-Software ist allerdings recht kostspielig. Erwähnenswert: Mit Roon Arc, der mobilen Variante, greife ich unterwegs auf meine eigene lokale Sammlung zu und kann auch die Integration von Tidal nutzen. Die Tidal-App selbst kann so wesentlich weniger Berechtigungen mitschneiden.

  • Netflix, Amazon Prime, Apple TV und Paramount sind bei mir gestrichen. Stattdessen nutze ich die öffentlich-rechtlichen Mediatheken (ARD, ZDF, arte) und Plex für meine eigene Mediensammlung. Bei Plex liegen die Dateien auf meinem lokalen Server, und ich entscheide, wer darauf zugreift. Als Player dienen unter anderem Plex selbst, Infuse, VidHub und der Klassiker VLC.

Navigation und Alltag

Bis vor kurzem nutzte ich noch OsmAnd. Doch die Navigation war speziell mit dem Auto etwas schwerfällig. Immer wieder hakte die Routenverwaltung. Versteht mich nicht falsch. Die Software ist grundsätzlich klasse. Aber weniger ist vielleicht doch mehr. Mittlerweile nutze ich CoMaps, ebenfalls eine Navigation mittels Offline-Karten auf OpenStreetMap-Basis.

DB Navigator und die KVV-App decken den öffentlichen Nahverkehr ab, wobei die Bahn-Website, wie schon erwähnt, im Browser läuft. Bei der KVV-App sollte man mittlerweile auch aufpassen, dass die integrierte KI (Ask the Alien) nicht von Haus aus aktiv ist. Und die dazugehörige Fahrplanauskunft funktioniert ja auch ohne App und Login.

Das Fundament: GrapheneOS auf dem Smartphone

Seit über einem Jahr läuft mein Smartphone mit GrapheneOS, einem Android-Derivat, das derzeit noch ausschließlich auf Google-Pixel-Geräten läuft; eine erste Motorola-Version ist angekündigt. Das klingt paradox, hat aber einen Grund: Nur die Pixel-Hardware bietet derzeit die nötigen Sicherheitsfunktionen, etwa einen offenen Bootloader mit Verified Boot und sieben Jahre Updates. Nutzer:innen sind so in der Lage, ein alternatives Betriebssystem zu installieren und den Bootloader anschließend wieder zu sperren. Es ist für mich die überzeugendste Verbindung aus Privatsphäre, Sicherheit und Alltagstauglichkeit. GrapheneOS ist allerdings kein Selbstläufer. Wer auf das OS setzt, sollte sich zuvor Gedanken zu seinem digitalen Umfeld machen. Für mich gehört zu GrapheneOS auch, die verwendeten Dienste kritisch auszuwählen. Ein datenschutzorientiertes Betriebssystem allein löst schließlich nicht die Abhängigkeit von den darauf genutzten Plattformen. Meine komplette IT-Infrastruktur ist daher um das mobile OS gestrickt.

Fast vergessen: Als Desktop-System nutze ich einen Mac mini (macOS) sowie Linux Mint. Auf dem Mac sind allerdings keinerlei Apps bzw. Services der großen Big Five aktiv.

Mein Fazit: Digitale Souveränität ist machbar

Mein Setup ist nicht perfekt und kostet gelegentlich Komfort. Dafür weiß ich in der Regel, wo meine Daten liegen, wer sie lesen kann und vor allem, unter welches Recht der Anbieter fällt. Persönliche Kritikpunkte sind zweifelsohne die fehlenden oder nicht transparenten Audits bei Filen und Notesnook. Runbox ist derzeit noch nicht standardmäßig Ende-zu-Ende verschlüsselt, Garmin ist dank der Bankverknüpfung auch nicht die beste Wahl und Gadgetbridge unterstützt nicht zwingend jede Funktion.

Aber jede dieser Lösungen verschiebt die Kontrolle ein Stück weit weg von Konzernen, die ihre Loyalität offen zur Schau stellen, und zurück zu mir.

Und nein, die Umstellung muss nicht in einem einzigen Schritt erfolgen. Der größte Hebel mit dem kleinsten Aufwand sind meist ein Messenger wie Signal, der Passwortmanager oder ein verschlüsselter Datenspeicher. Das Smartphone-Betriebssystem folgt dann ggf. als letzte Konsequenz. Eine erste Orientierung gibt euch der Digital Independence Day an jedem ersten Sonntag im Monat. Eine, wie ich finde, tolle Initiative.

Mit Blick auf die USA bleibt mir nur zu hoffen, dass das Land wieder zurück zur Demokratie findet. Ein Zurück zum Bequemen wird es bei mir dennoch nicht geben. Denn Datenschutz sollte nicht davon abhängen, wer regiert oder wem ein Konzern gerade gefallen will. Datenschutz ist meine Entscheidung!